Künstliche Intelligenz

Forschung und Entwicklung auch in Bremen

Brauchen wir bald keine Juristen, Ärzte oder Arbeiter am Band mehr? Dass mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) – also durch lernende Computerprogramme – große Teile der aktuellen Arbeitswelt wegbrechen könnten, besorgt viele Menschen.

Text: Meike Lorenzen
Foto:DFKI GmbH, Florian Cordes

Sogar Bundesarbeitsminister Hubertus Heil hat bei der Bekanntgabe der KI-Strategie der Bundesregierung extra darauf hingewiesen, dass die Technologie dem Wohle der Beschäftigten dienen soll. Doch wie dramatisch sind die Aussichten wirklich?

Um dem Thema näher auf den Grund zu gehen, hat die Arbeitnehmerkammer Bremen Roland Becker, Geschäftsführer der Firma JustAddAI, zu einem Fachgespräch eingeladen. Der KI-Experte hat sich mit dem Thema selbstständig gemacht und das Netzwerk Bremen.AI gegründet. Becker vertritt zwei Botschaften: 1. KI schafft hoch qualifizierte Jobs. 2. KI wird zwar den Arbeitsmarkt umkrempeln, aber nicht ganze Berufsfelder auslöschen.

„Es ist davon auszugehen, dass sich fast alle Routinetätigkeiten automatisieren lassen – ganz gleich, ob es sich um körperliche oder geistige Arbeit handelt“, so Becker. „Das heißt aber nicht, dass der Mensch nicht mehr gebraucht wird.“ Auch Axel Weise, der Digitalisierungsexperte der Arbeitnehmerkammer, beschwichtigt: „Ob es sich bei KI um Intelligenz handelt, würde ich weitestgehend bestreiten. Derzeit können diese Systeme lediglich auf Basis von großen Datenmengen und Musterkennung auf eine ganz bestimmte Aufgabe trainiert werden. Die beherrschen sie dann eben extrem gut.“

„Es ist davon auszugehen, dass sich fast alle Routinetätigkeiten automatisieren lassen.“
Roland Becker

Ein Beispiel dafür: Bereits heute können Computer Tumore besser erkennen als Neurologen. Die Entscheidung über die passende Therapie, die Interaktion mit dem Patienten und die vernetzte Arbeit im Krankenhaus bleibe aber eine Aufgabe für Menschen. „Es ist gerade mit Blick auf den Arbeitsmarkt wichtig, sich auch zu überlegen, was KI nicht kann und auch in der absehbaren Zukunft nicht können wird“, betont Becker. Emotionen und Intentionen zu verstehen, komplexe soziale Interaktionen nachzuvollziehen und darauf empathisch und kreativ reagieren zu können, werden immer wichtigere Kompetenzen – und für solche komplexen Tätigkeiten wird künftig mehr Arbeitszeit zur Verfügung stehen. „Was mir wirklich Sorgen bereitet, ist, dass unsere Schulbildung die nächste Generation auf diese veränderte Arbeitswelt im Moment noch überhaupt nicht vorbereitet“, kritisiert Becker.

Wofür wir den Menschen brauchen

Ist die Angst vor KI als direkter Konkurrent zum Menschen gar nicht berechtigt? Axel Weise bleibt gelassen: „KI wird sich nur dann durchsetzen, wenn es eine wirtschaftliche Notwendigkeit gibt.“ Dieser Faktor werde in Studien bisher kaum berücksichtigt. „Das bloße Vorhandensein einer Technologie generiert noch keine betriebliche Innovation“, so Weise. „Innovationsprozesse in den Betrieben sind sehr viel komplexer.“

Auch die Frage des Netzausbaus sei entscheidend, um KI überhaupt fehlerfrei und dauerhaft an den Start zu bringen. Da stehe Deutschland – insbesondere im ländlichen Raum – noch vor großen Herausforderungen. „Auch etliche ethische und datenschutzrechtliche Fragen müssen noch geklärt werden, ehe Maschinen und Computer ganze Aufgabenfelder übernehmen“, sagt Weise. Da hätten Politik, Unternehmen und Mitbestimmungsorgane noch viel Spielraum für Gestaltung.

Konkurrenz aus Fernost

Viele Unternehmen tun sich noch schwer damit, die mit den neuen KI-Technologien möglichen Innovation in die Praxis umzusetzen, auch in Bremen. „Dabei haben wir gerade in der Hansestadt unglaublich viel KI-Fachkompetenz vor Ort“, sagt Becker. Bremen biete mit den diversen KI-Forschungsbereichen der Universität, dem DFKI-Standort und den vielen KI-affinen Forschungsinstituten zu diesem Thema eine extrem hohe Dichte an Expertise und Ressourcen. Was verbessert werden müsse, sei der Transfer in Wirtschaft und Gesellschaft und die konkrete Anwendung in der Praxis. Wirtschaft, öffentliche Verwaltung und andere Player müssten stärker mit der Wissenschaft vernetzt werden – sonst wandere die kostbare Kompetenz ab, argumentiert Becker. Unter anderem aus diesem Grund hat er Bremen.AI, den Cluster für künstliche Intelligenz, in Bremen initiiert.

Und nicht nur Bremen, auch Europa insgesamt müsse aufpassen, dass der Fortschritt, der durch künstliche Intelligenz entstehe, nicht verschlafen wird. „China investiert 150 Milliarden US-Dollar, um bis 2030 KI-Weltmarktführer zu werden“, weiß Roland Becker. Die Bundesregierung hingegen stellt derzeit drei Milliarden Euro bereit, um die Forschung und Entwicklung in diesem Bereich weiter voranzutreiben, konkrete neue Konzepte für einen besseren und schnelleren Transfer der Ergebnisse in die Praxis gibt es dabei jedoch nicht.

Weitere Informationen AKB003_IconInfo

Laut einer Studie des Bundesministeriums für Wirtschaft wird in fünf Jahren ein Drittel des gesamten Umsatzes des produzierenden Gewerbes in Deutschland durch KI-Technologien erwirtschaftet. Experten schätzen, dass bis dahin bis zu 70 Prozent der Unternehmen aus dem produzierenden Gewerbe KI einsetzen werden. Zurzeit seien es 25 Prozent der Großunternehmen und 15 Prozent der Klein- und mittelständischen Unternehmen.

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