Neue Kraft schöpfen

In einer dreiwöchigen Kur kann sich ein Elternteil mit oder ohne seine Kinder von den gesundheitlichen Folgen tagtäglicher Überlastung erholen. Um wirklich genesen zu können, gilt es einiges zu beachten

Text: Frauke Janßen | Foto: Jonas Ginter

„Es war schön, sich um nichts kümmern zu müssen“, sagt Julia Amelung. Die zweifache Mutter hat während der Sommerferien eine Mutter-Kind-Kur auf der ostfriesischen Insel Langeoog gemacht. Normalerweise arbeitet sie in Teilzeit als Personalmanagerin in einem Bremer IT-Unternehmen. Sie erzieht ihre zehn- und zwölfjährigen Kinder gemeinsam mit ihrem Mann. Dennoch ist Zeitmangel allgegenwärtig – so wie in vielen Familien. Immer weniger von ihnen stecken das gut weg. Bei Julia Amelung hat sich der Stress in den letzten Jahren vor allem durch Rückenschmerzen bemerkbar gemacht. „Die Sportangebote, die ich in der Kur wahrgenommen habe, waren fast alle auf Rückenfitness ausgerichtet,“ erzählt sie von einigen Anwendungen, die ihr während der Kur verordnet wurden.

Damit sich Mütter oder Väter in der Kur um sich selbst kümmern können, ist es wichtig, dass auch die Kinder währenddessen gut versorgt sind. Amelungs Tochter Lara erinnert sich gerne an die drei Wochen an der Nordsee zurück:  „Nach dem Frühstück sind mein Bruder und ich mit unserer Gruppe nach draußen gegangen und haben gespielt. Nachmittags waren wir dann oft mit Mama am Strand und nach dem Abendessen haben wir uns mit Freunden, die wir dort kennengelernt haben, meist noch den Sonnenuntergang angeschaut“, beschreibt die Zwölfjährige einen typischen Kurtag. „Für die Kinder war ein Erlebnispädagoge zuständig, der ihnen spielerisch Zusammenhalt und Teamwork vermittelt hat“, fügt ihre Mutter hinzu.

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Gerade kleinere Kinder tun sich dagegen manchmal schwer mit dem für sie unbekannten Betreuungspersonal in Kureinrichtungen. Wenn das eigene Kind in der Kur-Kita ständig weint, ist es schwierig, sich auf die so wichtigen Therapiemaßnahmen zu konzentrieren. „Machen Mütter jedoch alleine eine Kur, geht es wirklich nur um ihre eigenen Bedürfnisse“, sagt Anne Schilling, Geschäftsführerin der Spendenorganisation Müttergenesungswerk in Berlin. Sie empfehle deshalb, sich gut zu überlegen: „Was brauche ich, um wieder gesund zu werden?“

Natürlich sei es individuell sehr unterschiedlich, ob eine Kur mit oder ohne Kinder die bessere Wahl sei, so Schilling. Fest stehe, dass die Kuren sehr viel häufiger mit Kindern angetreten würden. „In manchen Fällen sind die Kinder ebenfalls krank, dann sollte man für sie beim Kinderarzt ein Extra-Attest ausstellen lassen – in jeder Mutter-Kind-Kur gibt es auch gemeinsame Therapiemaßnahmen.“

Vor 70 Jahren hat das Müttergenesungswerk bereits spezielle Kuren für Mütter ins Leben gerufen. Seit Anfang der 80er Jahre gibt es die sogenanntenMutter-Kind-Kuren. Die kassenärztliche Anerkennung und Bezahlung habe man erst vor 18 Jahren durchsetzen können, berichtet Schilling.

Immer mehr Väter gehen in Kur

„Mutter-Kind-Kuren sind aufgrund ihrer langen Tradition gesellschaftlich anerkannt“, fügt sie hinzu. „Der Anteil der Väter, die solch eine Kur machen, steigt zwar kontinuierlich, dennoch sind es gerade mal vier  Prozent.“ Den Grund dafür, sieht Anne Schilling auch darin, dass Frauennach wie vor den Hauptteil der Familienarbeit leisten.

„Die meisten Frauen kommen mit mindestens drei Gesundheitsstörungen in die Kur“, so Schilling. Oft handelt es sich um starke Erschöpfungszustände, die sich durch Schlafstörungen, Depressionen, Magen-Darmerkrankungen, Muskel-Skelett- oder Herz-Kreislauferkrankungen bemerkbar machen. „Eine Mutter-Kind-Kur ist eine stationäre Maßnahme. Es geht darum, die Betroffenen aus ihrem Alltag herauszuholen und medizinisch, physiotherapeutisch und sozialpsychologisch zu behandeln“, erläutert Schilling die sogenannte Kurbedürftigkeit, die ärztlich verordnet und bei der Krankenkasse eingereicht werden muss.

Insgesamt sind laut einer Studie des Instituts für empirische Sozialforschung (Ifes) aus dem Jahr 2007 rund 2,1 Millionen Mütter und 230.000 Väter in Deutschland kurbedürftig. Der jährliche Datenreport des Müttergenesungswerks zeigt, dass die Zahlen seitdem immer weiter ansteigen. „Das belegen auch die Berichte von Ärzten aus den Kurkliniken“, sagt Schilling.

Damit eine Mutter- oder Vater-Kind-Kur indes auch nachhaltig wirken kann und sich nicht währenddessen die Arbeit von drei Wochen auftürmt, sind Kurbedürftige auch auf die Akzeptanz von Arbeitgebern und Mitarbeitenden angewiesen. Anne Schilling rät Betroffenen dazu, möglichst selbstbewusst mit ihrer Situation umzugehen: „Sie gehen nicht in den Urlaub oder in eine Erholungsmaßnahme, sondern sie haben eine Diagnose erhalten und sind für die Zeit der Kur krank geschrieben. „Meine Kollege und meine Kolleginnen haben meine Arbeit während der drei Wochen mit erledigt“, sagt Julia Amelung. So kann sie von der Kraft, die ihr die Kur zurückgegeben hat, noch lange zehren.

 

Infos zur Mutter-/Vater-/Kind-Kur AKB003_IconInfo

Wenn gesundheitliche Probleme wiederkehren oder neu entstehen, lässt sich in der Regel vier Jahre nach der letzten Kur wieder eine Mutter-/ Vater-/ Kind-Kur beantragen. Kinder können zwischen zwei und höchstens zwölf Jahren mit aufgenommen werden.

Aufgrund der Corona-Pandemie haben die Kurkliniken unterschiedliche Hygienekonzepte erstellt. Grundsätzlich hat jede Klinik zudem eigene therapeutische Schwerpunkte. Es ist ratsam, sich vorab beraten zu lassen: Ärzte können eine Wunschklinik bereits mit in den Antrag aufnehmen. Das Müttergenesungswerk bietet telefonische Beratung an und informiert über Anlaufstellen vor Ort.

Nähere Infos zur Antragstellung gibt es auch unter www.muettergenesungswerk.de

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