Zufrieden am Arbeitsplatz?

Arbeitnehmerkammer befragt Beschäftigte

Arbeitszeit, Gehalt, Weiterbildung – zum zweiten Mal hat die Arbeitnehmerkammer die Beschäftigten im Land Bremen befragt. Die Ergebnisse dieser „Koordinaten der Arbeit“ zeigen, wo politisch gehandelt werden muss.

Text: Nathalie Sander
Foto: Kay Michalak

Wie zufrieden sind die Bremer und Bremerhavener Beschäftigten mit ihrer Arbeit? Hat der Stress zugenommen, der Druck? Wie sieht es mit dem Gehalt aus und mit der Arbeitszeit? Diese und viele andere Fragen hat die Arbeitnehmerkammer im Frühjahr dieses Jahres rund 2.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern gestellt. Das Ergebnis: Die meisten – nämlich 83 Prozent – sind mit ihrer Arbeit hoch identifiziert und drei Viertel meinen sogar, mit ihrer Arbeit einen gesellschaftlich relevanten Beitrag zu leisten. Das sind ähnlich hohe Werte, wie schon bei der ersten Befragung vor zwei Jahren. Ein Blick in die Tiefe der Ergebnisse zeigt allerdings auch: Wie zufrieden oder unzufrieden Beschäftigte im Einzelnen sind, hängt von ganz unterschiedlichen Voraussetzungen ab.

So sind zwar die meisten mit ihrer Arbeit identifiziert und halten sie für wichtig – doch nicht mal die Hälfte der Beschäftigten ist beispielsweise mit der Arbeitszeit zufrieden. „Wunsch und Wirklichkeit gehen bei der Arbeitszeit stärker auseinander“, betont Ingo Schierenbeck, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer. Das Bedürfnis, Arbeit und Privatleben besser zu vereinbaren, habe deutlich zugenommen. Während diejenigen, die in Vollzeit arbeiten, eher Stunden reduzieren möchten, wollten viele Teilzeitbeschäftigte ihre Stunden gern aufstocken.

Die Studie zeigt zudem, dass sich vor allem befristet Beschäftigte große Sorgen um die Sicherheit ihres Arbeitsplatzes machen – vor allem mit zunehmenden Alter. Auch Beschäftigte ohne Berufsabschluss sind stärker besorgt darum, ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Weitere Erkenntnis: Knapp die Hälfte der Beschäftigten arbeitet auch heute noch körperlich und viele von ihnen empfinden dies als hoch belastend – etwa Beschäftigte in den Bauberufen, Verkehrs-/Logistikberufen oder Gesundheitsberufen. Etliche sehen sich zudem genötigt, häufig schnell und unter Druck zu arbeiten. Viele haben nach eigener Aussage nicht genug Zeit für die vielen zu erledigenden Aufgaben.

Neben diesen Themen haben sich die Befragten zum Gehalt und zu den beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten geäußert sowie zum Thema Betriebsund Führungskultur. Ein besonderer Schwerpunkt lag in diesem Jahr auf den Weiterbildungsmöglichkeiten. „Die Ergebnisse spiegeln die Situation der Beschäftigten speziell hier im Land Bremen und liefern uns wieder wichtige Erkenntnisse“, betont Schierenbeck. Denn viele bundesweite Erhebungen und Statistiken sind laut Kammer häufig nicht auf Bremen übertragbar oder beziehen sich nur auf eine kleine Fallzahl. „Wir werden die Ergebnisse an die Politik herantragen und Verbesserungen einfordern“, verspricht Schierenbeck.

Arbeitszeit

Fast die Hälfte der Vollzeitbeschäftigten möchte Stunden reduzieren – selbst wenn sich dies auf den Verdienst auswirkt. Umgekehrt wünschen sich 25 Prozent der Teilzeitbeschäftigten eine Aufstockung ihrer Stundenzahl, im Minijob sind diese Wünsche noch viel stärker ausgeprägt. Besonders stark ist der Wunsch nach mehr bezahlten Stunden in den sehr von Teilzeit und niedrigen Verdiensten geprägten Branchen Gastgewerbe und Einzelhandel. Die Auswertung zu den Arbeitszeiten zeigt auch: Schicht- und Wochenendarbeit sind keine Randerscheinung auf dem bremischen Arbeitsmarkt. Von Schichtarbeit ist ein Viertel, von Wochenendarbeit ein Fünftel der Befragten betroffen. Ihnen gelingt es im Vergleich zu anderen viel seltener, Privatleben und Arbeit unter einen Hut zu bekommen.

„Teilzeit entspricht längst nicht immer den Wünschen der Beschäftigten.“
Elke Heyduck, Geschäftsführerin der Arbeitnehmerkammer und Leiterin der Politikberatung

Die Befragung AKB003_IconInfo

Die „Koordinaten der Arbeit im Land Bremen“ hat das Institut für angewandte Sozialwissenschaft (infas) im Auftrag der Arbeitnehmerkammer durchgeführt. Befragt wurden fast 2.000 Beschäftigte in Bremen und Bremerhaven. Die Ergebnisse sind repräsentativ.

 

Gehalt

Gut 70 Prozent der Befragten sind mit ihrem Gehalt zufrieden. Jedoch fallen die Befunde unterschiedlich aus: Beschäftigte in fertigungstechnischen Berufen wie dem Maschinen-, Anlagen- und Fahrzeugbau sind am häufigsten mit ihrem Gehalt zufrieden (82 Prozent). Im verarbeitenden Gewerbe sind die Stundenlöhne von Vollzeitbeschäftigten aber auch mit am höchsten. Ebenfalls zufrieden zeigen sich Arbeitnehmer in den Bau- und Ausbauberufen sowie in den unternehmensbezogenen Dienstleistungen (beide 76 Prozent). Unter Letztere fallen etwa Ingenieure, Werbeagenturen oder Unternehmensberatungen. Deutlich weniger zufrieden sind dagegen Beschäftigte aus Lebensmittel- und Gastgewerbeberufen (54 Prozent) und Gesundheitsberufen (55 Prozent).

„Das Gastgewerbe bildet das Schlusslicht beim Gehaltsvergleich. Eine bessere Bezahlung ist Voraussetzung, um ausreichend Arbeitskräfte zu gewinnen.“
Ingo Schierenbeck, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer

Arbeitszeit

 

Gehalt

 

Weiterbildung

Fast 60 Prozent der Beschäftigten haben in den vergangenen 24 Monaten an einer Weiterbildung teilgenommen. Davon entfiel jedoch beinahe die Hälfte (46 Prozent) auf kurze Unterweisungen am Arbeitsplatz und maximal eintägige Weiterbildungen. Diese Formen zielen stark auf die Aufgabenerledigung und Produktivität am Arbeitsplatz ab und weniger auf die berufliche Weiterentwicklung. Vor allem ungelernte Beschäftigte oder diejenigen mit einem ausländischen Abschluss nehmen nur selten an einer Weiterbildung teil. Auch wer einen Migrationshintergrund hat, profitiert deutlich seltener von betrieblicher Weiterbildung. Wer eine berufliche Weiterbildung macht, findet allerdings häufig finanzielle Unterstützung durch den Arbeitgeber – so gaben 87 Prozent der Befragten an, dass der Arbeitgeber sich an den Kosten beteiligt habe.

„Viele Arbeitgeber haben die Bedeutung von Weiterbildung für die Zukunft noch nicht erkannt.“
Regine Geraedts, Referentin für Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik

Kommentar von Ingo Schierenbeck, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer Bremen AKB_Icon_Comment2

Recht auf Weiterbildung!

In diesem Jahr haben wir in der Beschäftigtenbefragung das Thema Weiterbildung in den Mittelpunkt gestellt. Denn mit der Digitalisierung wird der Bedarf an Spezialistinnen und Spezialisten zunehmen und der Bedarf nach einfachen und wiederholenden Tätigkeiten abnehmen.

Bundesweit und auch in Bremen brauchen wir deshalb eine Weiterbildungsstrategie. Denn noch immer gibt es viel zu viele Menschen, die keinen Schul- oder Berufsabschluss haben. Der Blick auf die Befragungsergebnisse zeigt zudem: Von beruflicher Weiterbildung profitieren vor allem jene, die bereits qualifiziert sind. Wer dagegen keinen Abschluss in der Tasche hat, wird vom Betrieb häufig auch nicht weiter gefördert.

Was wir also brauchen, ist ein Rechtsanspruch auf einen anerkannten Berufsabschluss sowie ein Recht auf berufliche Weiterbildung mit Freistellungsmöglichkeit und Lohnersatzleistungen. Denn auch hier zeigt unsere Befragung: Für 80 Prozent ist eine Weiterbildung dann attraktiv, wenn sie für die Zeit der Weiterbildung von der Arbeit freigestellt werden und auch ihr Gehalt beziehungsweise eine finanzielle Förderung erhalten. Das Thema Weiterbildung hat viel zu lange ein Schattendasein gefristet – das gilt es dringend zu ändern.

Stress

Die Hälfte aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Land Bremen berichtet von gestiegenem Stress und Arbeitsdruck. Knapp ein Drittel gibt außerdem an, dass die Arbeit häufig emotional belastend sei. Zwei Drittel der Befragten fühlen sich zudem genötigt, häufig sehr schnell zu arbeiten, bei knapp der Hälfte staut sich Arbeit an, über ein Drittel hat nicht genug Zeit für alle Arbeitsaufgaben und ein Drittel sieht sich der Notwendigkeit von Überstunden ausgesetzt. Mit 29 Prozent glaubt denn auch nach wie vor ein beachtlicher Teil der Bremer und Bremerhavener Beschäftigten nicht daran, die derzeitige Tätigkeit bis zum regulären Rentenalter ausüben zu können. Besonders hohe Werte (deutlich über 50 Prozent) erreichen Beschäftigte im Baugewerbe und im Gastgewerbe, hohe Werte finden sich aber auch im Sozialwesen.

„Belastungen durch die Arbeit und Arbeitsverdichtung sind nach wie vor ganz große Themen. Gleichzeitig bleibt aber bei der betrieblichen Gesundheitsförderung immer noch viel zu tun.“
Regine Geraedts, Referentin für Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik

Weiterbildung

 

Stress

 

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