Gefangen in der Teilzeitfalle

Am 8. März ist Weltfrauentag

Erstmals arbeiten mehr Frauen in Teilzeit als in Vollzeit. Am 8. März demonstrierten Bürgerinnen und Bürger weltweit für die Gleichberechtigung von Männern und Frauen.

Text: Meike Lorenzen und Nathalie Sander
Foto: nito100/iStock
6. März 2020

Seit 1911 gehen Frauen und Männer am 8. März für die Gleichberechtigung der Geschlechter auf die Straße. Und noch immer gibt es genug Anlässe, diesen Tag zu laut begehen. Denn trotz besserer Schulabschlüsse sind Frauen im Erwerbsleben weiter unterrepräsentiert. So arbeiten Frauen nicht nur häufiger in schlecht bezahlten Berufen, sondern oft auch mit reduzierter Stundenzahl: 2019 waren erstmals mehr Frauen in Teil- als in Vollzeit beschäftigt, heißt es in einer Pressemitteilung der Arbeitnehmerkammer Bremen.

„Nur die Teilhabe am Arbeitsmarkt gewährleistet auch finanzielle Unabhängigkeit und ist damit der Schlüssel für Gleichberechtigung. Deshalb brauchen wir in Bremen mehr gute Arbeit für Frauen.“
Ingo Schierenbeck, Hauptgeschäftsführer der Kammer

Wie gut Frauen in den Arbeitsmarkt integriert sind, lässt sich unter anderem über die so genannte Erwerbsbeteiligung messen. Also an der Frage, wie viele der Bremer und Bremerhavener Frauen arbeiten – egal, ob selbstständig, oder in einem Beschäftigungsverhältnis. Für Bremen zeigt sich: In keinem anderen Bundesland ist der Anteil der arbeitenden Frauen so gering.

Und auch der Blick auf die sozialversicherten Beschäftigten zeigt: Frauen sind mit einem Anteil von 44 Prozent deutlich unterrepräsentiert, womit Bremen im Bundesvergleich auch hier den letzten Platz einnimmt. „Die geringe Erwerbsbeteiligung von Frauen ist eine besorgniserregende Entwicklung“, so Schierenbeck. Insgesamt sind nur noch 31,3 Prozent der Vollzeitstellen mit Frauen besetzt. Umgekehrt arbeiten nur 14 Prozent der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Männer in Teilzeit.

Arbeitszeitwünsche nähern sich an

Dass Frauen trotz ähnlich guter Startchancen auf dem Arbeitsmarkt im Laufe ihres Berufslebens weniger arbeiten und auch weniger Geld verdienen, ist eng verbunden mit der Familiengründung. Während in einer Paarbeziehung in der Regel noch beide Vollzeit arbeiten, ändert sich dies deutlich nach der Geburt des ersten Kindes: Dann arbeiten zwar noch 95 Prozent der Männer, aber nur noch 28 Prozent der Frauen in Vollzeit.

Dass beide Partner in Teilzeit arbeiten oder die Frau in Vollzeit und der Mann in Teilzeit, kommt laut einer Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts WSI in Düsseldorf hingegen nur bei fünf Prozent der Paare mit Kindern vor.

„Beide Elternteile müssen die Möglichkeit haben, sich zu gleichen Teilen um die Familie und um den Beruf zu kümmern.“
Ingo Schierenbeck, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer

Dass dies von vielen Paaren auch gewünscht wird, darauf deuten die Ergebnisse der jüngsten Beschäftigtenbefragung der Arbeitnehmerkammer hin. Denn immerhin 50 Prozent der Befragten, die weniger als 20 Stunden arbeiten, würden ihre Arbeitszeit gern aufstocken. Die befragten Männer hingegen, die 40 oder mehr Stunden arbeiten, würden ihre Stunden gern reduzieren. „Die Arbeitszeitwünsche von Frauen und Männern nähern sich an, nur die Wirklichkeit in den Betrieben hat noch nicht nachgezogen.“

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