Funkt es?!

Corinna Heidmann arbeitet als Ingenieurin bei OHB und ist an der Entwicklung von Satelliten beteiligt. Schon als Kind war die Raumfahrtbranche ihr großer Traum, doch erst über Umwege ist sie an ihrem Wunscharbeitsplatz gelandet

Text: Isabel d’Hone | Foto: Kay Michalak

Der Countdown läuft: „Start in 2?… 1?…“. Dann erhebt sich die über 200 Tonnen schwere europäische Trägerrakete Ariane in die Luft. Ein langer Feuerstrahl folgt ihr. Die heute 35-jährige Corinna Heidmann erinnert sich noch genau an diesen Moment: „Mit fünf Jahren stand ich gebannt vor der riesigen Beamerleinwand auf der Arbeit von meinem Vater. Ich konnte gar nicht glauben, dass sie fliegt.“ Die Faszination für die Raumfahrt hat sie von ihm übernommen, der sie als Raumfahrtingenieur immer mal wieder zu Events wie einem Raketenstart mitnahm.

30 Jahre später arbeitet sie selbst an der Entwicklung von Satelliten bei OHB, einem der drei größten Unternehmen der europäischen Raumfahrt. Doch ihr Weg dorthin ist nicht geradlinig verlaufen, denn sie ist nicht wie die meisten ihrer Arbeitskollegen studierte Ingenieurin: „Ich bin eine Quereinsteigerin, vorher habe ich zehn Jahre lang in einem anderen Bereich gearbeitet. Als ich 30 geworden bin, habe ich mich gefragt: Möchtest du das bis zum Ende machen?“ Als Heidmann von der zweijährigen Ausbildung zum Physikalisch-technischen Assistenten (PhyTA) am Schulzentrum Utbremen erfuhr, zögerte sie nicht lange und stürzte sich in die Welt der Elektrotechnik, „Ich hatte praktisch keine Freizeit mehr, habe 24/7 gelernt, aber ich habe diese Ausbildung geliebt und es hat sich echt gelohnt“, erzählt sie begeistert. Ihr dreiwöchiges Betriebspraktikum absolvierte sie bei OHB. In der Abteilung E-AIT (Electrical Assembly Integration & Test) arbeitet Heidmann direkt an der Hardware der Satelliten und überprüft, ob die Elektronik funktioniert. Kann der Satellit von der Erde aus angefunkt werden? Funktioniert der Bordcomputer wie gewünscht? Dabei ist höchste Genauigkeit und Fingerspitzengefühl gefragt: „Unser Team ist dafür da, Fehler zu finden und sie dann zu verbessern. Wenn die Satelliten einmal im All sind, können wir sie nicht einfach wieder zurückholen.“

Welche Verantwortung sie bei ihrem Job trägt, wird ihr besonders in den Momenten bewusst, in denen sie mit weißem Schutzkittel, Haube und antistatischen Schuhen vor einem 3,5 Meter hohen Satelliten steht. Die Hardware hat einen Wert von bis zu 50 Millionen Euro und die Schäden, die bei einem Funkenschlag entstehen können, sind gigantisch: „Da treten mir schon mal Schweißperlen auf die Stirn“, sagt Heidmann. „Deshalb geht bei uns Genauigkeit immer vor Schnelligkeit. Wir arbeiten mit Respekt, aber man darf auch nicht zu viel Angst haben.“ Bis zu vier Stunden kann es dauern, um nur einen Stromstecker richtig einzustecken: Hauchfeine Pins müssen richtig in den dafür vorgesehenen Richtungen liegen, keiner davon darf verbogen oder verunreinigt sein. Die kleinste Ungenauigkeit kann zu einem Kurzschluss führen und einen unwiderruflichen Schaden an einer Batterie hervorrufen, die mehr als ein Jahr Entwicklungszeit gekostet hat.

Physikalisch-technische/r Assistent/in
Die Ausbildung zum Physikalisch-technischen Assistenten (PhyTA) dauert in der Regel zwei Jahre. Voraussetzung dafür ist ein Schulabschluss mit mindestens mittlerer Reife. Nach der Ausbildung unterstützen PhyTA in Laboren oder Einrichtungen der Qualitätsüberwachung.

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