Pressemitteilung

27.11.2019

Sozialwirtschaft ist Beschäftigungsmotor in Bremen

Kammer veröffentlicht neue Branchenstudie

Die Sozialwirtschaft in Bremen wächst dynamisch und übertrifft damit die Entwicklungen in anderen Bereichen deutlich. Das zeigt eine aktuelle Studie, die das Institut Arbeit und Wirtschaft (iaw) im Auftrag der Arbeitnehmerkammer Bremen durchgeführt hat. Inzwischen arbeiten rund 41.200 Menschen in der Sozialwirtschaft – und damit mehr als jeder achte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Dabei fasst der Begriff der Sozialwirtschaft all diejenigen sozialen Dienstleistungen zusammen, die Betreuungs- und Versorgungs-, sozialpädagogische Bildungs- und Pflegeaufgaben in den Kommunen und für die Menschen übernehmen. 

„Eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, gute Pflegeleistungen, die Integration von Zugewanderten in Schule und Beruf – ohne die Menschen, die an diesen Themen arbeiten, ist kein Gemeinwesen denkbar“, so Ingo Schierenbeck, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer Bremen. „Dank unserer Studie wissen wir zudem: Die Sozialwirtschaft ist auch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für die Region.“ Als Zukunftsbranche mit Wachstumspotential erlangt sie nicht nur eine immer größere Bedeutung für den regionalen Arbeitsmarkt. Soziale Dienstleistungen tragen mit einer direkten und indirekten Wertschöpfung von rund 2,5 Milliarden Euro im Jahr erheblich zur Stärkung der Regionalwirtschaft bei.

Das iaw hat im Rahmen der Studie die vielfältigen Teilbereiche der Sozialwirtschaft für Bremen analysiert: Zu ihr gehören Kitas, Horte und Jugendhäuser, Einrichtungen der Altenpflege und Behindertenhilfe, die Migrations- und Flüchtlingsarbeit sowie der große Bereich der Gesundheitsdienstleistungen (Krankenhäuser). Aber auch kleinere Beschäftigtenbereiche zählen zur Sozialwirtschaft, etwa sozial-pädagogisches Personal in Schulen und an Hochschulen, oder Personal in der Schuldnerberatung und Wohnungslosenhilfe.

Allein im Land Bremen ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Sozialwirtschaft in den vergangenen zehn Jahren um
25 Prozent auf 41.200 gestiegen. Damit ist die Sozialwirtschaft deutlich beschäftigungsintensiver als zum Beispiel das Bau- (13.256) oder Gastgewerbe (10.060) und hinsichtlich der Zahl der Beschäftigten annähernd so groß wie die Metall-, Elektro- und Stahlindustrie zusammen (43.744). Auch berechnet die Studie sogenannte indirekte Beschäftigungseffekte, die durch Konsum und Investitionen ausgelöst werden und für weitere rund 11.000 Stellen sorgen. Es lassen sich zudem aus den Beschäftigungszahlen der Sozialwirtschaft Steuereinnahmen in Höhe von 233 bis 268 Millionen Euro für das Land Bremen ableiten.

Getragen wird der stetig steigende Beschäftigtenbedarf vor allem durch die Pflege und verbesserte Betreuungsangebote für (Schul-)Kinder. So werden heute in beiden Städten rund 6.500 Kinder mehr betreut als noch vor zehn Jahren. Personalbedarf entsteht auch durch vermehrte Sprachförderung für Einheimische und Zugewanderte, durch Migration innerhalb der EU sowie aus Kriegs- und Krisengebieten und für Personal zur Versorgung und Integration von Migranten.

Hoher Kostendruck, wenig Personal

Neben diesen vielen positiven Befunden wirkt sich ein steigender Kostendruck jedoch negativ auf die Arbeitsbedingungen und Verdienste aus. So ist der Anteil von Teilzeitbeschäftigten in den zurückliegenden zehn Jahren von 34 auf 57 Prozent gestiegen, 4.500 Beschäftigte arbeiten in Minijobs. Die Einkommen für diese wichtigen Berufen liegen nach wie vor unter dem Durchschnitt, allerdings zeichnet sich seit 2015 ein Aufholprozess ab. Viele Beschäftigte verweisen in der Studie zudem auf die hohe Arbeitsintensität und beträchtliche Personalengpässe. Dies deckt sich auch mit den Ergebnissen der Beschäftigtenbefragung, die die Arbeitnehmerkammer in diesem Frühjahr durchgeführt hat. Betroffen sind in erster Linie Frauen, denn in der Sozialwirtschaft sind drei von vier Beschäftigten weiblich.

Forderungen an die Politik

Der Fachkräftemangel in den sozialen, pflegerischen und Erziehungsberufen droht, das Wachstum der Branche auszubremsen und stellt eine ausreichende Versorgung mit sozialen Dienstleistungen in Frage. Die Zahl der offenen Stellen ist deutlich angestiegen, nahezu alle Bereiche verzeichnen lange Zeiten, bis eine Stelle besetzt werden kann. An einer weiteren Aufwertung der sozialen Berufe geht kein Weg vorbei. Die öffentlich Hand, die den überwiegenden Teil der Sozialwirtschaft finanziert, hat hier steuernde Möglichkeiten.

  • Mit der Aufwertung der Arbeit der Erzieherinnen in benachteiligten Stadtteilen ist ein erster Schritt gemacht – weitere müssen nun aber folgen. Das Modellprojekt zur Dualisierung der Ausbildung (PIA) muss schnell und deutlich ausgeweitet werden – es sieht erstmals eine Vergütung der Ausbildung zur Erzieherin vor.
  • Für die Pflege ist dringend ein allgemeinverbindlicher Tarifvertrag, der für alle Träger und Beschäftigten gilt, abzuschließen. Er kann helfen, die Arbeitsbedingungen und Verdienste insbesondere in der Altenpflege zu verbessern.
  • Die sozialpädagogische Arbeit an Schulen wie auch die Arbeit mit Flüchtlingen und Migranten leistet einen entscheidenden Beitrag zu einer integrierten Stadtgesellschaft – sie muss ebenfalls aufgewertet und vor allem ausgeweitet werden.
  •  Mit der im Koalitionsvertrag verabredeten Förderung der Gesundheitsbranche ist ein Schritt zur Anerkennung der  wirtschaftspolitischen Bedeutung der Sozialwirtschaft getan – dies muss nun zügig in konkrete Maßnahmen übersetzt werden.

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