Schwangerschaft und Geburt – kein Randgruppenthema in der Arbeitswelt

Im Jahr 2018 wurden nach Angaben des Statistischen Landesamts im Land Bremen 7.163 neue Einwohnerinnen und Einwohner geboren, 6.009 Kinder in Bremen und 1.154 in Bremerhaven. Die Geburtenrate zeigt im Land Bremen seit einigen Jahren eine kontinuierlich steigende Tendenz, von 2017 auf 2018 stieg sie um 2,3 Prozent, bezogen auf die Stadt Bremen war es sogar ein Plus von vier Prozent. Jedoch sank – seit einigen Jahren kontinuierlichen Anstiegs erstmals – die Geburtenzahl in Bremerhaven um 5,6 Prozent. Die durchschnittliche Kinderzahl je Frau ist im Land Bremen von 1,29 im Jahr 2011auf 1,58 Kinder im Jahr 2017 gestiegen (in Bremen waren es: 1,52 Kinder, in Bremerhaven: 1,88 Kinder  je Frau). Zum Vergleich: im Bundesdurchschnitt waren es 1,57 Kinder je Frau. Das Durchschnittsalter von Müttern bei der Geburt des ersten Kindes lag im Jahr 2017 in Bremen mit etwas über 31 Jahren über dem Bundesdurchschnitt, in Bremerhaven bei 29,5 Jahren.

Spätestens mit der Schwangerschaft stellt sich die Vereinbarkeitsfrage

Die relativ kurze Phase der Schwangerschaft kann das (Arbeits-)Leben einer Frau nachhaltig verändern. Eine Schwangerschaft macht "Umstände“ am Arbeitsplatz und wird oftmals eher als individuelles Problem wahrgenommen. Viele Betriebe sind nicht ausreichend darauf vorbereitet, dass Mitarbeiterinnen Mütter werden. Die Schwangerschaft bekannt zu geben, kann Konfliktpotenzial für die betroffene Frau bergen, weil die Mitteilung vom Arbeitgeber, von Kolleginnen und Kollegen als "plötzlich und unerwartet" aufgenommen wird. Weil sie Schwierigkeiten kommen sehen, melden viele Frauen ihre Schwangerschaft erst spät. Mitunter halten sie aus falsch verstandener Kollegialität belastende Arbeitstätigkeiten wider besseren Wissens aus. Die Mutterschutzvorschriften werden häufig weniger als Begründung für die Gestaltung schwangeren- und stillgerechter Arbeitsbedingungen verstanden, sondern eher als Anlass für ein Beschäftigungsverbot. Das bedeutet den Ausschluss Schwangerer aus dem Erwerbsleben und die Gefahr, dass ihnen berufliche Nachteile entstehen.

In der "Frankfurter Karrierestudie" wurden mehr als 1.800 Frauen aus Fach- und Führungspositionen zwischen 26 und 55 Jahren befragt. 70 Prozent der Studienteilnehmerinnen hatten Abitur, 65 Prozent einen (Fach)-Hochschulabschluss, 95 Prozent waren berufstätig. Viele der Befragten erlebten berufliche Nachteile, nachdem sie ihre Schwangerschaft im Unternehmen bekannt gegeben hatten. So wurden bei 72 Prozent der Befragten anstehende Karriereschritte auf Eis gelegt. Anstehende Gehaltserhöhungen wurden bei 48 Prozent der Befragten gestrichen oder in verminderter Höhe umgesetzt. Und bei einem Drittel der Befragten äußerten die Vorgesetzten eine negative Einstellung bei Mitteilung der Schwangerschaft. 

Noch immer ist Sorgearbeit ungleich verteilt und liegt zum größten Teil auf den Schultern von Frauen und geht mit Benachteiligung auf dem Arbeitsmarkt einher. Mütter haben geringere Chancen auf einen beruflichen Aufstieg und den Aufbau einer eigenständigen finanziellen Absicherung:

  • Der Anteil der Frauen in sozialversicherungsrechtlicher Beschäftigung sinkt mit der Zahl der Kinder. Bei Männern dagegen nimmt die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung – wenn auch in weniger stark ausgeprägtem Maß – zu, wenn sie Väter werden.
  • Nach der Geburt ihres ersten Kindes sind es nach wie vor überwiegend Frauen, die ihre Arbeitszeit reduzieren. 
  • Nach der Elternzeit finden Frauen häufig nur schwer wieder Anschluss an Vollzeitarbeit. Mütter sind deutlich häufiger in Teilzeit tätig als Frauen ohne (minderjährige) Kinder. Männer hingegen arbeiten eher länger, wenn sie Vater werden.
  • Viele Arbeitnehmerinnen steigen auf geringfügige oder anderweitig prekäre Beschäftigung um.
  • Besonders betroffen sind Auszubildende, Frauen in prekärer Beschäftigung und Alleinerziehende.

Ob ein Betrieb familienfreundlich ist und die Mitarbeiterinnen Familie und Beruf vereinbaren können, erweist sich spätestens, wenn eine Beschäftigte schwanger wird – ohne Schwangerschaft keine Familiengründung.

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